In den Asphaltwüsten der Städte und den verarmten Lebensräumen unserer Siedlungen wird unseren Kindern der Zugang zur Natur zunehmend erschwert. Eine ausgeprägte Naturbeziehung ist aber die Grundlage der körperlichen und seelischen Gesundheit.
Wer nicht mehr in die Natur hinausgeht, in den geht auch keine Natur mehr hinein!
Es spricht für die Anpassungsfähigkeit unserer Art, dass bis jetzt die körperlichen und seelischen Schäden nicht größer sind. Der Befund, den Eltern, Lehrer, Arzte und Psychologen tagtäglich erleben, ist aber erschreckend genug:
Kinderleben ist
• verhäuslicht statt naturnah
• organisiert und kontrolliert statt offen und gestaltbar
• simuliert und virtuell statt real und echt
Wenn bei unseren Schülern eine Zunahme von Konzentrationsstörungen, Mangel an Selbstvertrauen und Initiative, Kontaktarmut, Aggressivität und andere Verhaltensauffälligkeiten beklagt werden, so muss dies auch als Folge einer tief greifenden Entwurzelung gesehen werden.
Die Spielcomputer können unseren Schülern keinen echten Naturbezug ersetzen.Im Zeitalter der Heim- und Spielcomputer muss es eine zusätzliche Aufgabe der Schule sein, Naturbezug zu vermitteln. An vielen Schulen gibt es Biotope, Hofpausen bei jedem Wetter, Wandertage, Umweltbaustellen mit Jägern und Fischern, Bauernhofbesuche,... All diese Aktivitäten möchte ich mit meinen Vorträgen unterstützen und, wenn möglich, bereichern.
Gemeinsame Naturabenteuer fördern bei Kindern (genauso wie bei uns Alten (V)erwachsenen):
• das Selbstbewusstsein (Identität, Sinnfindung, Sicherheit, Vertrauen, Zugehörigkeit, Selbstwert)
• die Selbstbeteiligung (Beziehungsfähigkeit, Verantwortungsübernahme, Erlebnisfähigkeit)
• die Selbstbestimmung (Identifikation von eigenen Bedürfnissen, persönliches Tempo, Naturzeit erleben, RisikokompetenzDer junge Mensch, hat seine ökologische Wurzeln verloren.
Wenn unsere Kinder die Natur ihrer Umgebung nie erleben können, wie sollen sie sie diese dann jemals schätzen und schützen können? Es wird ihnen ja nicht einmal auffallen, dass ein Bach, eine Wiese, eine Blume, eine Vogelart verschwunden sind. Sie haben sie nie gekannt.
Bedenken wir: Wäre die gesamte Menschheitsgeschichte 70 Jahre lang, also so lang wie ein Menschenleben,
dann hätte der Mensch erst einen einzigen Tag unter den Bedingungen der modernen Zivilisation gelebt!
Dr. Herbert Bödendorfer
Pössnitz 172
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